Oscar Wilde

'Die Kunst ist nicht wie das Leben. Sie ist das Leben.'

Tra Tra Trallalla, de Chaschperli, de Chaschperli, de Chaschperli isch wieder da! Die Vorstellung In der Turnhalle: Das Krokodil, die Hexe und der Gendarm mit dem Räuber!
Im Schultheater spielte ich mich aus meinen Verwirrungen.
Ein Glück in Zürich das Gastspiel der Schaubühne, Peer Gynt. Ein Stück von einem, der auszog, das Glück zu suchen. Das Sackgeld war nicht gross genug für den zweiten Abend. Als Dieb mit Gewissensbissen war ich nicht gut genug, wurde von dem Regisseur Peter Stein ertappt und sofort rausgeschmissen.
Später wieder ein Gastspiel der Schaubühne: Der Prinz Friedrich von Homburg. Wieder diese Schauspieler, wieder diese Fee Solveig, jetzt war sie die Prinzessin Nathalie, der Peer Gynt war jetzt der Prinz Friedrich von Homburg. Staunend betörten mich auch alle anderen grossartigen Schauspieler. Der Obrist Kottwitz.

Im Bochum unter der Regie von Jürgen Flimm versucht einen Studenten zu spielen. Der  Spielleiter ging frontal auf einem zu, was mir gefiel. Ich war schüchtern und verknackst. Errötete leicht wie eine Ampel. Ist mir später nicht mehr gelungen.

Als Schauspieler hatte ich Rabatt auf die Eintrittskarten. Mehrmals die Möwe und King Lear, Hedda Gabler, Othello, und Frühlingserwachen angeschaut, Inszenierungen von Peter Zadek. Ulrich Wildgruber als König: die Zuschauer riefen lauter, verständlicher!

Der Schauspieler Ulrich Wildgruber liess sich unterbrechen, schaute in den Zuschauerraum, trat ab  und ging in die Mitte der zwanzigsten Reihe und spielte seinen Monolog dort zu Ende. Anschliessend fragte er höflich, ob der vor ihm sitzende Herr ihn verstanden hätte. Jedes Mitglied dieses Ensembles habe ich zuhause in der Kammer nachgespielt. Gastspiel mit Theresa Giese und Peter Fischer.

Hannelore Hoger als Dona Rosita liess meine jungenhafte Libido anschwellen. In Wuppertal: Der alte Sedemund mit dem merkwürdigen Claus Clausen.

In Berlin Bruno Ganz und Gert David in EMPEDOKLES von Friedrich Hölderlin. Eine Aufführung die meine Schauspielschulkollegen und Lehrer nicht mochten. Ich schon.

Engagement an den Städtischen Bühnen Frankfurt. Peter Palitzsch, Karl-Heinz Braun und der Dramaturg Horst Laube. Hans Neuenfels und seine Whisky Voice. In einem fleischfarbenen Strumpf den Theseus probiert, schlimmer wie nackt! Karl Praetorius gab den Ödipus Rex und Peter Roggisch den Ödipus auf Kolonos. Alle diese Schauspieler, im Status weit über mir, die ich bewunderte oder bewundern musste.

Peter Franke, der Claus Wennemann Küchenrealismus vorwarf. Alexander Wagner, Spiritus Rector, der direkt sprach, ohne Theatergedonner, dazu hätte er allerdings auch die Kraft nicht gehabt, inszenierte DAS WEISSE RÖSSL. Besetzte mich mit der Jodlerin und der Briefträgerin Kati. Meine Stiefgrossmutter jodelte im Radio und ich behauptete, dass ich das auch könne! Mit einer Tonbandkasette von ihr übte ich nachts im Probenraum. Ein Freund schlug mir vor, ich solle mich doch im Geiste auf  einen Berg versetzen und jauchzen. Fuhr bei der Ouvertüre mit dem Orchester nach oben, alles Musikerinnen oder als solche verkleidet. Bei der Generalprobe sass Rainer Werner Fassbinder mit Entourage vor mir, der Berg schmolz mir weg. Aber Peter Roggisch als Oberkellner machte sich auch in die Hose, das hat mich gerettet.

Peter Palitzsch konnte wunderbar erzählen, unglaublich, die erwachsenen Schauspieler hörten sich das eher abwehrend an. Ich glaube Peter Franke erklärte mir dann, ich solle nicht die Dramaturgie spielen, sondern selber suchen. Hatte aber oft solche Angst vor dem Spielen angesichts all dieser hervorragenden Spielern, dass ich sehr froh war, Peter Palitzsch eine Weile zuhören zu dürfen. Kabale und Liebe, inszeniert von Christoph Nel mit Martina Krauel als Luise und Michael Altmann als Ferdinand. Seitdem habe ich bei jeder Inszenierung , diese beiden gesehen und gehört. In  den Mitbestimmungs-Vollversammlungen, der Ferdinand mit zitternder Stimme nicht so wahrhaftig wie im Stück. Im Märchen EINER DER AUSZOG DAS FÜRCHTEN ZU LERNEN hat er mich nach einer Probe zusammengeschissen: ich solle nicht improvisieren, sondern das tun, was man mir verlange.

 

Er hat mich zusammengeschissen

Im Sommernachtstraum wurde ich vor der ersten Probe von Wilfried Minks umbesetzt.  Den Staub von der Hose schütteln und weitermachen. Später habe ich darüber nachgedacht, immer wieder, in kleinen schönen, essbaren Dosen!

Badisches Staatstheater. Den Ruprecht im zerbrochenen Krug. Regisseur Istvan Bödy, ein schlauer Mann, fand ihn aufregend, denn schlau war ich damals niemals, heute bin ich es, weil ich es gern wäre! Meinen Vater, den Veit Tümpel mochte ich sehr, der hatte für Theaterverhältnisse gar kein schreiendes Ego, konnte zu ihm zutraulich sein, wie ihm Stück.  In die schöne Claudia Demarmels, in die Eve war der Regisseur verknallt.

Gependelt zwischen Frankfurt und Karlsruhe, zusammen mit dem Gerichtsrat Walter, Peter Kollek, auch ein strenger, gieriger. Ich fühlte mich von ihm gemocht und er sich vielleicht von mir. Das erste und letzte Mal erwarb ich ein Auto, einen hellblauen VW-Käfer. Ein paar Wochen später habe ich diesen einem Nachbarn ausgeliehen und es lange nie wieder gesehen. Der Gerichtsrat und ich mussten mit dem Zug nach Karlsruhe pendeln und dort in einer günstigen Herberge in einem Zimmer zusammen übernachten. Das Auto, mein Auto fand ich zufällig wieder und arg zerschrammt in einer Nebenstrasse. Samstag nach der Probe klingelte ich im  der 4. Etage bei dem Nachbarn Sturm. Der regte sich nicht. Dafür aber sein Nachbar: Du Sau! Dich mach ich kalt! Die Pistole auf meinem Gesicht! Halt! Nein! Ich habe doch nur geklingelt, weil er mein Auto seit Tagen nicht zurückgebracht habe! Was? Wie? Nun sturmklingelte er. Ich schlich mich weg bergab, aus der Schusslinie. Der Mann war ein Sheriff, so stand es wenigsten auf seinem schwarzen Kampfanzug, mit dem ich ihn im Supermarkt Tengelmann versteckt hinter einem Warengestell gesehen hatte.

Dieser Nachbarn hat mir versprochen, das Auto reparieren zu lassen. Es täte ihm  leid, er wäre besoffen unabsichtlich in so eine blöde Parkuhr gefahren. Das Auto stand ohne Fenster eine Woche im Regen.

Einen Monat später sah ich mein Auto wieder, mit einem jungen Mann, einem davongelaufenen Mechanikerlehrling. Die Kotflügel hielten trotz lautem Scheppern, das Dach war noch immer leicht geknickt. Er gäbe mir das Vehikel wieder, wenn ich ihm die Reparatur bezahlen würde. Bezahlen? Bezahlen muss das Brunner! BEZAHLT WIRD NICHT, spielte man über mehrere Spielzeiten sehr erfolgreich im Theater.

Der Verleger Brunner war aber nicht flüssig! Ich müsse die Reparatur bezahlen, er hätte doch für mich einen günstigen Mechaniker gefunden. In Wut von mir überzeugt versuchte ich diesem Brunner, einen Kopf kleiner und dicker und schwuler als ich, vor seiner Haustüre mit frisch gefallenenem Schnee die  Goschen zu stopfen. Aber nein, ich lag im Schnee und hatte den Mund voll!

Ich bezahlte. Der Gerichtsrat Walter und ich fuhren wieder mit dem Auto nach Karlsruhe. Aber nur bis zur Hälfte, da hatten wir kein Licht mehr! In der Notfallwerkstätte sagte man uns, der Kabelbaum sei beim Schweissen total verrbrannt.

Die wunderbare Aufführung  von DER ARME VETTER von Ernst Barlach habe ich oft angeschaut, eine wunderbare Inszenierung  von Frank P. Steckel, der mich nicht mochte. Dann immer wieder Dialektik, von Peter Palitzsch, immer wieder habe ich begeistert zugehört. In Peter Löscher’s WAS IHR WOLLT, musste ich eine kleine Rolle übernehmen.  Christian Redl mochte sich, ein guter Schauspieler, hatte immerzu Krach mit dem Regisseur, ich verstand nie warum.

Im Ensemble wurden Kämpfe ausgefochten, die ich wenig oder überhaupt nicht verstand. Ich war wie eine fünflöcherige Flöte, die in diesem Konzert falsch pfiff. Und es gab in mir keine Stimme, wie: Leckts mich am Arsche! Dann endete 1979 mein Vertrag. Zog mit einer schönen  Tochter nach Berlin, die dort zuerst russisch studierte und hernach Schaupiel in Hannover. Dann mit ihrem Schauspiellehrer durchbrannte. Amen. Grüss Gott!

Schauspielhaus Zürich: Paul Haller, Marie und Robert mit der schönen Anne-Marie Kuster. In Maria Magdalena den Bruder und Sohn Karl, Regie Max Peter Ammann. Karl Paryla und Benno Besson im Hamlet den Valtimand, eine sehr kleine Rolle, aber wie Benno Besson sagte, eine sehr wichtige.

Gerd Heinz, der Intendant, inszenierte DIE WUPPER:. Ik bin ja nur ein einfacher Abeiter, ich schäm mich nich.... Der Venezianer Enzu Toffoluti, der Bühnenbildner von Benno Besson, mit seinem leichtfüssigen oberitalienischen Sarkasmus, hinter dem auch Schwermut steckte, mochte ich. Diese launige Spielart habe ich schon als Kind gemocht, ein Unterschied zum roh-ßblinden Spott.